Woher stammen diese Standardbesetzungen?
Für die meisten Ensembles gibt es keine einzige „offizielle“ Besetzung, wohl aber Referenzmodelle, die quer durch die Quellen bemerkenswert gut übereinstimmen. Dieses Werkzeug gleicht die wichtigsten miteinander ab: die übliche Blasorchesterbesetzung der Musikverlage und das Wind-Ensemble-Modell mit einem Musiker pro Stimme (Frederick Fennell, Eastman), das französische Instrumentationslehrbuch von Dondeyne (1969, Blasorchestermodelle mit 49, 54, 72 und 88 Musikern), die Zehntelregel von Henk van Lijnschooten für die Ausgewogenheit im Blasorchester, die klassischen Streicherbesetzungen des sinfonischen Repertoires (die Regel „minus 2 pro Register“: 16-14-12-10-8, 14-12-10-8-6 …), die feste Wettbewerbsbesetzung britischer Brass Bands mit 25 Blechbläsern und die Umfrage der Association of Concert Bands (2012, 245 Amateurblasorchester) zu den Ungleichgewichten, die in Amateurensembles tatsächlich vorkommen.
Die Richtwerte passen sich Ihrer Besetzungsstärke an: Die Zielwerte jedes Registers werden zwischen mehreren Referenzgrößen interpoliert. Sie bleiben Orientierungswerte: Ein Dirigent kann auch eine ungewöhnliche Besetzung gut klingen lassen, und manche Werke sind bewusst für außergewöhnliche Besetzungen geschrieben.
Besetzung eines Blasorchesters
Ein Blasorchester (auch sinfonisches Blasorchester) vereint Holzbläser, Blechbläser und Schlagwerk, manchmal ergänzt um Kontrabass und Harfe. Als Faustregel für die Ausgewogenheit gilt ein Verhältnis von Holz- zu Blechbläsern von 3:2, und die Klarinetten bilden das größte Register: Sie übernehmen die Rolle der Violinen und stellen 20 bis 30 % der Besetzung (in der französischen Tradition bis zu 32 %, im amerikanischen Wind-Ensemble-Modell 23 bis 25 %). Die klassische Zehntelregel von Lijnschooten fasst das Ziel zusammen: Holzbläser 30 %, Saxophone 10 %, Trompeten und Flügelhörner 10 %, Hörner 10 %, Posaunen 10 %, Baritone und Euphonien 10 %, Bässe 10 %, Schlagwerk 10 %.
Richtbesetzung nach Orchestergröße (nach Dondeyne 1969 und heutiger Praxis):
| Register | ~35 Musiker | ~52 | ~72 | ~88 |
|---|---|---|---|---|
| Flöten (mit Piccoloflöte) | 3 | 4 | 5–6 | 6–8 |
| Oboen (mit Englischhorn) | 0–1 | 2 | 3 | 4 |
| Fagotte | 0–1 | 2 | 2 | 3 |
| Es-Klarinette | 0 | 1 | 1–2 | 2–3 |
| B-Klarinetten | 8 | 12 | 18–20 | 22–24 |
| Bassklarinette | 0–1 | 1 | 2 | 2 |
| Saxophone (A/T/B) | 2-1-1 | 2-2-1 | 3-3-2 | 4-4-2 |
| Trompeten und Kornette | 4 | 5 | 6 | 7–8 |
| Flügelhörner | 0 | 2 | 2 | 3–4 |
| Hörner | 2 | 4 | 4 | 4–6 |
| Posaunen (davon 1 Bassposaune) | 3 | 4 | 4 | 4 |
| Euphonien / Baritone | 2 | 3 | 3 | 4–5 |
| Tuben | 2 | 2 | 2–3 | 3 |
| Kontrabass | 0 | 0–1 | 2 | 3 |
| Schlagwerk (mit Pauken) | 3 | 4 | 5 | 6 |
Die typischen Ungleichgewichte von Amateurblasorchestern sind gut belegt: zu viele Flöten und Trompeten (die ACB-Umfrage ermittelte am häufigsten 6 Flöten, und 15 % der Orchester haben mehr als 10 Trompeten), nur halb so viele Klarinetten, wie die Modelle vorsehen, keine Oboe in jedem sechsten Orchester, kein Fagott in jedem vierten und ein chronischer Mangel an Hörnern, Bassklarinetten und Tuben. Dabei verlangt die Klangpyramide (McBeth) ein solides Bassfundament: etwa 15 bis 20 % der Besetzung in tiefen Stimmen (Tuben, Euphonien, Bassklarinette, Baritonsaxophon, Fagotte, Kontrabass), die die Basis der Pyramide bilden.
Besetzung eines Sinfonieorchesters
Die Größe eines Orchesters richtet sich nach seinem Repertoire. Die Streicher folgen klassischen Besetzungen in der Reihenfolge 1. Violinen – 2. Violinen – Bratschen – Violoncelli – Kontrabässe, aufgebaut nach der Regel „minus 2“: 8-6-4-4-2 für ein Kammerorchester, 12-10-8-6-4 für das klassische Repertoire, 14-12-10-8-6 für die Romantik, 16-14-12-10-8 für Mahler, Strauss oder Wagner. Die Bläser ziehen mit: zweifach besetzt in der Klassik (2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 2 bis 4 Hörner, 2 Trompeten), dreifach mit Posaunen, Tuba und Harfe in der Romantik, danach vierfach mit 6 bis 8 Hörnern. Die Streicher stellen 55 bis 65 % des Orchesters.
| Besetzung | Streicher | Holzbläser | Blechbläser | Schlagwerk / Harfe | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| Kammerorchester | 8-6-4-4-2 (24) | zweifach (8) | 2 Hörner, 2 Trompeten | Pauken | ≈ 37 |
| Klassisches Sinfonieorchester | 12-10-8-6-4 (40) | zweifach (8) | 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen | Pauken | ≈ 58 |
| Romantisches Sinfonieorchester | 14-12-10-8-6 (50) | dreifach (12) | 4-2-3-1 (mit Tuba) | Pauken + 2 Schlagwerker + Harfe | ≈ 77 |
| Spätromantisches Orchester | 16-14-12-10-8 (60) | vierfach (16) | 8 Hörner, 4 Trompeten, 4 Posaunen, Tuba | Pauken + 4 Schlagwerker + 2 Harfen | ≈ 100+ |
In Amateurorchestern fehlen klassischerweise Bratschen und Kontrabässe (gesunde Verhältnisse: Bratschen ≈ 70 bis 80 % der zweiten Violinen, Kontrabässe ≈ 60 bis 80 % der Violoncelli, nie null), die Bläserregister sind unvollständig (kein Fagott, nur ein Horn), und umgekehrt gibt es zu viele Flöten und Klarinetten, die die Standardbesetzung auf 2 bis 4 je Holzbläserfamilie begrenzt.
Besetzung einer britischen Brass Band
Die Brass Band ist die am strengsten festgelegte Besetzung überhaupt: Britische Wettbewerbe (und in Frankreich das Reglement des Musikverbands CMF) verlangen 25 Blechbläser, alle mit konischer Bohrung außer den Posaunen, dazu Schlagwerk. Die genaue Aufstellung: 1 Es-Soprankornett, 9 B-Kornette (4 Solo, 1 Repiano, 2 zweite, 2 dritte), 1 Flügelhorn, 3 Es-Althörner (Tenor Horns), 2 Baritone, 2 Euphonien, 2 Tenorposaunen und 1 Bassposaune, 2 Es- und 2 B-Bässe, dazu 2 bis 4 Schlagwerker. Die Kornette stellen 40 % der Blechbläser; die vier Bässe prägen das tiefe Fundament der Band.
Fanfarenzug: Signalhörner, Fanfarentrompeten und Trommeln
Eine französische Spezialität: Der Fanfarenzug französischer Prägung spielt nur Naturtoninstrumente (ohne Ventile): Signalhörner und Bass-Signalhörner in B, Fanfarentrompeten, Alt- und Basstrompeten sowie Hörner in Es, gestützt von Ventilbässen (den einzigen zugelassenen chromatischen Instrumenten) und von Trommeln, Schlagwerk und Stabspielen. Eine typische Besetzung mit 30 Musikern: 7 Signalhörner, 2 Bass-Signalhörner, 6 Fanfarentrompeten, 2 Alt- und 2 Basstrompeten, 2 Hörner, 3 Ventilbässe, 4 Trommeln, 2 Schlagwerker und 1 Musiker an den Stabspielen. Bei Wettbewerben müssen die Trommeln ein Stück allein spielen können, also mindestens 3; die Gruppe aus Trommeln und Schlagwerk stellt 20 bis 30 % der Besetzung.
Fanfare-Orchester (Niederlande, Belgien)
Nicht zu verwechseln mit dem Fanfarenzug: Das Fanfare-Orchester der Niederlande, Belgiens und der Schweiz beruht auf Flügelhörnern und Saxhörnern, mit Saxophonen als einzigen „Holzbläsern“. Die Flügelhörner übernehmen die Rolle der Kornette in der Brass Band: 25 bis 33 % der Besetzung (11 bei 42 Musikern), ergänzt durch Trompeten, Hörner oder Es-Althörner, Baritone, Euphonien, Posaunen, Es- und B-Bässe, Saxophone (2 Alt, 2 Tenor, 1 Bariton) und 4 bis 6 Schlagwerker. Ein Fanfare-Orchester mit mehr Trompeten als Flügelhörnern ist untypisch: Sein Klang lebt vom weichen Ton der konischen Bohrung.
Besetzung einer Bigband
Die Jazz-Bigband ist ein nahezu festes Format mit 17 Musikern: 5 Saxophone (2 Alt, 2 Tenor, 1 Bariton), 4 Trompeten, 4 Posaunen (davon 1 Bassposaune) und eine Rhythmusgruppe aus Klavier, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Der Saxophonsatz ist die beständigste Konstante; die Gitarre ist optional (Bands mit 16 Musikern sind verbreitet), Sänger kommen hinzu. Unter 10 Musikern spricht man eher von einer Combo als von einer Bigband.
Streichorchester
Für ein reines Streichorchester gelten weiter die klassischen Verhältnisse der Regel „minus 2“: 4-3-2-2-1 als Mindestbesetzung (12 Musiker), 6-5-4-4-2 für ein Kammer-Streichorchester (21), 12-10-8-6-4 für ein großes Streichorchester (40). Die Violinen (erste und zweite zusammen) stellen 50 bis 60 % der Besetzung, die Bratschen 15 bis 20 %, und mindestens ein Kontrabass sollte immer dabei sein, um die tiefe Oktave unter den Violoncelli zu liefern.
Gemischter Chor: Stimmverteilung SATB
Ein gemischter Chor ist nach zwei einfachen Regeln ausgewogen: Sopran ≥ Alt, Bass ≥ Tenor, bei 45 bis 50 % Männerstimmen. Der klassische Richtwert T:A:B:S = 4:5:6:7 ergibt etwa 18 % Tenor, 23 % Alt, 27 % Bass und 32 % Sopran; die heutige Praxis liegt näher bei 25 % pro Stimme, mit leicht verstärkten tiefen Stimmen. Das klassische Ungleichgewicht im Amateurchor ist der Tenormangel (unter 10 % des Chors) in Chören mit 60 bis 70 % Frauenstimmen: Setzen Sie leichte Baritone im Tenor ein und planen Sie mindestens 2 bis 3 Sänger pro Stimme, 4 bis 6 im Kammerchor.
Wie viele Musiker hat ein Orchester? Besetzungsgrößen im Vergleich
| Ensemble | Übliche Größe | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Kammerorchester | 35–40 | Streicher 8-6-4-4-2, Bläser zweifach |
| Sinfonieorchester | 55–110 | Streicher 55–65 % der Besetzung |
| Blasorchester | 35–90 | Klarinetten 20–30 % der Besetzung |
| Brass Band | 28 (25 Blechbläser + Schlagwerk) | Feste britische Wettbewerbsbesetzung |
| Fanfarenzug | 20–40 | Naturtoninstrumente + Trommeln |
| Fanfare-Orchester | 40–70 | Flügelhörner 25–33 %, Saxophone als einzige Holzbläser |
| Bigband | 17 | 5 Saxophone, 4 Trompeten, 4 Posaunen, Rhythmusgruppe |
| Streichorchester | 12–40 | Regel „minus 2“ pro Register |
| Gemischter Chor | 16–100+ | SATB, Bass ≥ Tenor |
Häufige Fragen
Wie viele Musiker hat ein Sinfonieorchester?
Je nach Repertoire zwischen 35 und 110: etwa 37 in Kammerbesetzung, 55 bis 60 für die Klassik, 75 bis 80 für die Romantik, 100 und mehr für Mahler, Strauss oder Wagner. Die Einzelheiten stehen in der Tabelle oben, und der Rechner zeigt Ihnen, wo Ihre Besetzung im Vergleich zu jeder dieser Varianten steht.
Was unterscheidet Blasorchester, Fanfare-Orchester und Brass Band?
Ein Blasorchester hat Holzbläser (Flöten, Oboen, Klarinetten, Saxophone, Fagotte); ein Fanfare-Orchester hat außer Saxophonen keine, und die Melodie liegt bei den Flügelhörnern. Der französische Fanfarenzug geht noch weiter: nur Naturtoninstrumente (Signalhörner, Fanfarentrompeten, Hörner) mit Trommeln. Die Brass Band ist eine feste Besetzung aus 25 Blechbläsern mit konischer Bohrung, dazu Schlagwerk.
Wie viele Klarinetten braucht ein Blasorchester?
Die Klarinetten sind die „Violinen“ des Blasorchesters: 20 bis 30 % der Gesamtbesetzung (8 bei 35 Musikern, 12 bei 50, etwa 20 bei 72). Haben Sie mehr Flöten als Klarinetten, klingt Ihr Holzbläserregister kopflastig: Das ist das häufigste Ungleichgewicht in Amateurblasorchestern.
Wie ist ein ausgewogenes Jugend- oder Anfängerorchester besetzt?
Es gelten dieselben Verhältnisse, verkleinert und vereinfacht: Planen Sie für 35 Musiker 3 Flöten, 8 Klarinetten, 4 Saxophone, 4 Trompeten, 2 Hörner, 3 Posaunen, 2 Euphonien, 2 Tuben und 3 Schlagwerker, und gewinnen Sie früh Musiker für tiefes Blech und tiefe Holzbläser. Nutzen Sie den Rechner mit dem Profil „Blasorchester“: Die Richtwerte werden bis hinunter zu kleinen Ensembles interpoliert.
Mein Ensemble ist unausgewogen: Was kann ich tun?
Es gibt drei Hebel. Erstens die gezielte Mitgliedersuche: Das Werkzeug ordnet die zu besetzenden Register nach Priorität, nennen Sie genau diese in Ihren Aufrufen. Zweitens die interne Umbesetzung: ein überzähliges Altsaxophon zu Tenor oder Bariton, ein Trompeter zum Flügelhorn, ein Bariton im Chor zum Tenor. Drittens das Repertoire: Arrangements in flexibler Besetzung und Stichnoten, um die Soli fehlender Register abzudecken.
Sind diese Besetzungen offiziell?
Nein. Außer bei Brass-Band-Wettbewerben gibt es keine verbindliche Norm: Es handelt sich um Referenzen aus Lehrbüchern und Wettbewerben, die untereinander übereinstimmen und als Richtwerte zu lesen sind. Eine angezeigte Abweichung ist kein Fehler, sondern ein Hinweis für die Mitgliedersuche und die Programmgestaltung.